W202 C250 Turbodiesel Rennsportprojekt und Experimentierplattform

  • Hallo Zusammen,


    ich lese hier schon seit einiger Zeit mit um mir Informationen für mein persönliches W202-Projekt zu holen und dachte es ist nun an der Zeit mich ebenfalls anzumelden. Ich hoffe im besten Fall etwas zurückgeben zu können und vielleicht dem Ein oder Anderen zu helfen.


    Kurz zu mir: Ich heisse Chris, bin 30, wohne in Stuttgart, liebe verrückte Umbauten und ganz besonders Dieselmotoren.


    Mein persönliches W202-Projekt habe ich Anfang 2015 gestartet, inspiriert durch diverse Videos des Drift-Teams Black Smoke Racing. In der finnischen und schwedischen Tuningszene wird viel mit den Ölmotoren von Mercedes rumexperimentiert. Gerade die Baureihe OM604/605/606 gilt als nahezu unzerstörbar und hat ein unglaubliches Leistungspotential. Angefixt von diesen verrückten "Superturbodieseln" habe ich beschlossen ebenfalls eine solche Maschine aufzubauen um damit letztendlich an diversen Rennveranstaltungen teilzunehmen. Rundstrecke, Berg, Drift, Viertelmeile, etc.


    Dieses Video war der Ausschlaggebende Punkt:


    Das Ausgangsfahrzeug, ein W202 C250TD BJ 1995, habe ich für 800€ erstanden und über die letzten zwei Jahre in tausenden Stunden unter Vernachlässigung von sozialen Kontakten und Körperhygiene zur Vorstufe eines Driftfahrzeugs umgebaut. Aktuell ist die erste Phase des Umbaus abgeschlossen. Der Motor läuft, der Wagen fährt (zwar bisher nur zwischen Garage und Hänger aber immerhin) und es folgt im Juni der erste "Renneinsatz" bzw. besser gesagt die erste Einstellfahrt auf dem Nürburgring.


    Ich hoffe in diesem Thread die bisherige und weitere Entwicklung des Fahrzeugs anschaulich zu dokumentieren. Vielleicht hat ja der Ein oder Andere von euch Spaß daran, das Ganze zu verfolgen. Ich würde mich auf jeden Fall über Anregungen, weitere Verrückte Ideen und auch konstruktive Kritik freuen. Unten findet sich der Umbauplan und einige der aktuelleren Bilder.


    Motor & Aufladung:
    - OM605 2,5l Dieselmotor, komplett instandgesetzt mit Übermaßkolben
    - Dieselmeken "Superpumpe" mit 7,5mm Düsenelementen
    - Serielle Doppelaufladung, Turbo zu Kompressor
    - Holset HX35 Turbolader mit 16er Abgasgehäuse
    - Eatom M62 Rootslader
    - Großer Ladeluftkühler
    - Rennsport-Wasserkühler des Toyota Supra MK2
    - 70mm Edelstahl Abgasanlage


    Getriebe & Antriebsstrang:
    - 6-Element Sinter-Kupplungsscheibe
    - Schwungscheibe und Druckplatte des W203 270cdi
    - 6-Gang Schaltgetriebe des W210
    - Kurze Kardanwelle des W203 270cdi
    - Differnetial des E430 (Vollsperrung steht noch aus)
    - Gelenkwellen des CLK430


    Fahrwerk:
    - Koni Sportdämpfer
    - H&R Federn und Stabilsatoren
    - Fahrwerksstreben vorne und hinten
    - Rundherum steife POM-Buchsen


    Bremssystem:
    - Entferntes ABS und ASR
    - Bremsanlage des W202 C43 AMG
    - Hydraulisch Flyoff-Handbremse
    - Manueller Bremskraftregler für die Hinterachse


    Treibstoffsystem:
    - ATL savercell 80 Liter im Kofferraum
    - Aluminium-Umhausung für den Tank
    - Verlagerter Einfüllstutzen
    - Zwei Bosch 044 China-Imitate
    - Sytec Kraftstoffdruckregler


    Innenraum & Sicherheit:
    - Überrollkäfig der Firma Pleie
    - Sabelt Vollschalensitze
    - Schroth 4-Punkt Gurte mit FIA Homologation
    - 4 kg Pulverlöscher
    - Elektrischer Trennschalte, von außen zugänglich
    - Raid 320mm Sportlenkrad


    Exterieur:
    - Lackierung in RAL 5010
    - Regenreifen auf 8x18 & 9x18 AMG Styling II
    - Slicks auf 8,5x18 Brabus Monoblock IV
    - Maklononscheiben & Makrolon-Dachausschnitt


    Die Leistung wird nach dem ersten Rennen noch offizell auf einem Prüfstand ermittelt. Der erste Versuch einer Messung ist leider gescheitert, da die hinteren Felgen geschliffen haben. Dieses Problem habe ich aber bereits beseitigt.


    Soweit erst einmal mit dem ersten Beitrag.


    Viele Grüße,


    Chris

  • Hi Chris,


    Dann mal herzlich willkommen mit Deinem Drift -Tool... 8o


    Die Finnen und ihre verrückten Umbauten sind ja schon legendär... Vor allem deren S123 mit dem OM606... :love:
    Es ist schon faszinierend was sich, mit eigentlich verhältnismäßig geringen Mitteln, für enormes Leistungspotential der ollen Ölbrenner freisetzen lässt. Leider läßt die Bürokratie in deutschen Landen, sowas auch auf der Straße zu fahren, nur begrenzt zu.


    Du betreibst ja einen riesigen Aufwand, nur für ein Spielzeug... :thumbsup:
    Wenn man sieht das die Finnen da auf nen Motor, der schon mehr als 300tkm gelaufen hat, ohne mit der Wimper zu zucken, 3 Turbos drauf schnallen und mehr als 500PS rauskitzeln... - wage ich zu behaupten, Du übertreibst mit deutscher Perfektion.


    Darf man fragen, weshalb Du nicht den Kurbeltrieb des 290ers aus dem Sprinter genommen und da den 4-Venti-Kopf des OM605 draufgesattelt hast. Auch wenn bei einem Betrieb mit Ladedruck, der Hubraum nur eine untergeordnete Rolle spielt...?



    Gruß


    Jürgen

  • Hallo Jürgen,


    vielen Dank fürs Willkommen heißen :)


    ja die deutsche Bürokratie macht in solchen Fällen schon oft den Spielverderber. Ich hatte ursprünglich auch den Plan den Wagen für die Straße aufzubauen. Ein ganz emsiger und engagierten TÜV-Prüfer hat das Projekt daher im ersten Jahr begleitet und mich hier und da wieder zur Vernunft gerufen. Leider wurden die Auflagen dann irgendwann so streng, dass ich nicht mehr bereit war die notwendigen finanziellen Mittel für die Straßenzulassung aufzubringen. Also ist kurzerhand ein Rennwagen daraus geworden.


    Dieser Weg spiegelt sich dann teilweise auch in der "übertriebenen deutschen Perfektion" wider. Für eine reine Rennsemmel hätte ich den Motor niemals komplett instandsetzen lassen, damals dachte ich noch der Wagen wird mein Alltagsbegleiter für den Weg zur Arbeit. Wie heisst es so schön: 1. kommt es anders, 2. wie man denkt ;)


    Das mit dem Kurbeltrieb klingt interessant und davon wusste ich ehrlich gesagt nichts. Ist das alles Plug and Play? Passen da auch die Getriebe der E-Klasse dazu? Wäre ne gute option für die zweite Ausbaustufe in naher Zukunft


    Beste Grüße,


    Chris

  • Der Sprinter-Motor basiert auf dem gleichen Ursprungsmotor. Der hat durch eine größere Bohrung und und etwas mehr Hub, einen deutlichen Hubraumzuwachs.
    Ob der Zylinderkopf 100%ig, 1:1 passt, weiß ich nicht... Aber eine Überlegung wäre es wert. Die Getriebe passen aber alle. Wobei dann lieber gleich den OM606. Der läuft auch im Leerlauf so schön, wie es nur ein R6 kann.


    Das Problem mit den Blau- und Graukitteln kenn ich. Hab schon nen 123er mit Turboaufladung am OM 617 gebastelt.
    Beim OM605, den ich als Alltagsauto bewege, sind es nur kleine Modifikationen, die aber viel Spaß bringen. Hab da gerade selbst ein Projekt am Start - aber ein Alltags-, bzw Sommerauto...- noch fehlt der Lack...



    Gruß


    Jürgen

  • Hi Jürgen,


    das mit dem Sprinterblock werde ich mir mal genauer anschauen, wäre ne gute Option wenn das passt. Ein om606 ist natürlich auch was feines, habe mit für den sechsten Zylinder vorne aber schon alles mit den beiden Kühlern zugebaut, da passt leider nichts mehr hin.


    Wie ich sehe bist du selbst ziemlich perfektionistisch unterwegs, sieht gut aus, innen komplett neu ausgelackt? Besonders gut gefallen mir auch deine elektrischen Werkstattböcke :D


    Beste Grüße,


    Chris

  • Die elektrisierenden Werkstattböcke bringen das Objekt auf eine angenehme Schraubhöhe... - vor allem für die Frickelei mit dem Kabelstrang. Hatte die letzten Wochen nicht so viel Zeit, wie erwünscht, um diese dämliche Elektrik zu vervollständigen. Beifahrerseitig hab ich heute den Kanal zugemacht. Fahrerseitig muss ich noch ran... Bin aber auf der Zielgeraden... :thumbup:


    Leistungstechnisch bewege ich mich in etwa bei 200 - 220PS und hoffentlich etwas mehr als 400NM. Für den Alltag ausreichend... :P

  • Dann mal noch toi toi toi für deine Elektrik :thumbup: , mich kannste mit sowas echt jagen. Wenn ich überlege was an dem Projekt das unangenehmste war, dann ist das Unterboden-mit-dem-Stechbeitel-vom-PVC-befreien und das Neuverkabeln ziemlich Kopf an Kopf. Habe zum Glück nur noch das nötigste an Bord, acht Kippschalter und vier Druckknöpfe ... reicht ;)


    Ach und geschätzt 30kg an Kabelbaum und so ziemlich jedes Steuergerät ist übrig falls du oder jemand anders etwas gebrauchen kann.


    Beste Grüße,


    Chris

  • Mit Schaltgetriebe und mechanischer ESP braucht man in Sachen Elektrik ja auch nicht viel... - zumal für Deinen Einsatzzweck weniger eher mehr ist.


    Dein Auto, ohne Kriegsbemalung und Serienräder mit Radkappen, wäre ein richtiger Wolf im Schafspelz. Keiner wurde erahnen, was für Möglichkeiten unter der Haube schlummern... :P


    Das finde ich so genial am S123 - Diesel von Black-Smoke-Racing.... Völlig unscheinbar... Und ungemein böse, wenn er losgelassen... :P


    Gruß


    Jürgen

  • Moin!


    Ein schöner Wolf im Schafspelz für die Straße steht auf jeden Fall auch noch auf meinem Plan. Für Stuttgart muss es dann aber (leider) ein Benziner werden, vielleicht ein schöner C280 als Basis, mal schauen ;)


    Wie angekündigt würde ich den Umbau gerne chronologisch aufarbeiten, ich versuche das mit einem Beitrag pro Tag zu machen, je nachdem wie es meine Zeit zulässt. Leider habe ich in der Anfangszeit nicht sehr viele Fotos gemacht. Gekauft habe ich den Wagen Anfang Juli 2015. Der Vorbesitzer war ebenfalls ein Schrauber und hat den Wagen technisch so gut es geht in Schuss gehalten. Verbaut war zusätzlich eine zwei Tank PÖL-Anlage, Tieferlegungsfedern und der Wagen war komplett rot/schwarz foliert. Der Motor lief, sprang jedoch schlecht an und der Dämpfer des Riemenspanners war defekt.


    Als erstes ging es ans Zerlegen, alle Teile kamen raus und wurden eingelagert bzw. über eBay verkloppt. Parallel zum Zerlegen habe ich versucht alle Roststellen ausfindig zu machen und diese Stück für Stück zu beseitigen.


    Folgende Rostschäden waren vorhanden:
    - Jedes Radhaus hatte mindestens zwei Durchrostungen, besonders gerne an den festehenden Gewindebolzen zur Befestigung der Radhausschale.
    - Hinten waren zusätzlich die Kotflügelkanten teilweise durchgerostet
    - Hinten rechts bei der Entlüftung des Fahrgastraums war alles komplett zerfressen
    - Die Aufnahmepunkte der Hinterachse waren übel angefressen
    - Zwei bis drei Durchrostungen am Unterboden, teilweise an den Gummistopfen.
    - Die Schweller um die Wagenheberaufnahmepunkte waren komplett zerfressen
    - Die Federaufnahmen vorne waren so zerfressen, dass fast schon die Feder nach oben durchgedrückt wurde
    - Alle Türen hatten von den unteren Ecken ausgehen oberflächliche Roststellen


    Im Rahmen der Blecharbeiten wurde dann auch schon der Käfig eingepasst und die entsprechenden Verstärkungsbleche eingeschweisst. Das ganze Projekt sollte auch eine Art Lernerfahrung für mich sein, bis dato hatte ich so gut wie keine Schweisserfahrung, entsprechend sehen die Nähte aus.


    Beste Grüße,


    Chris

  • Als Basisfahrzeug hast Du Dir aber ne '98er gegönnt... ein Fahrzeug zum Einstieg in die schlimmsten Rostregionen. Aus diesem Zeitraum gibt es nicht viele, gut erhaltene. So ne Möhre hab ich auch grad aufm Hof... Aber als Schlachter... da ist mir die Zeit zu schade zum Schweißen, auch wenn die Technik TÜV-fähig wäre und schon viele Schweißarbeiten, wie Schweller und Radläufe erledigt sind... 8o
    Respekt davor, sich eines solchen Eimers anzunehmen.... :thumbsup:


    Gruß


    Jürgen