Knacken an der Vorderachse

  • Hallo in die Runde,

    bei meinem W202 knackt es seit vielen (!) Jahren an der Vorderachse, wenn während der Fahrt gelenkt wird. Ich hab mich mit der Sache eigentlich zwischenzeitlich abgefunden, da weder ich noch eine Werkstatt in der Lage waren das Problem zu identifizieren. Ich tippe mittlerweile auf das Radlager und da die Bremse etwas Zuneigung braucht und zerlegt wurde, ist die Radnabe und Radlager gerade frei zugänglich. Ich bitte um euren Rat, aber hier zunächst mehr Informationen.

    In den vergangenen Jahren wurden Stück für Stück aufgrund von erkennbarem Verschleiß folgende Dinge an der Vorderachse erneuert:

    • Lenkstange inkl. Umlenkhebel und aller Gelenkköpfe. Das Knacken blieb.
    • Beide untere und obere Querlenker mit Traggelenken. Das Knacken blieb.
    • Stabi gestrahlt, neu gepulvert und mit neuen Gummis eingebaut. Das Knacken blieb.
    • Federn wurden beim Querlenkertausch aus- und eingebaut. Kein Federbruch. Federaufnahme war in Ordnung und auch Federgummi oben war in Ordnung und nicht beschädigt. Das Knacken blieb.
    • Eine Vermutung war auch mal ein verspanntes Fahrwerk. Einige Zeit nach dem Wechsel der Querlenker habe ich die Verschraubungen nochmal gelöst, Fahrzeug ein und ausgefedert und auf den Rädern stehend die Muttern neu angezogen. Das Knacken blieb.

    Viel mehr Möglichkeiten als das Radlager gibt es ja nun nicht mehr. Was meint ihr? Bewegen sich hier Lagerschalen in der Nabe oder die Lager auf dem Achsstummel und deshalb knackt es? Die Schrauben vom Lenkgetriebe habe ich nachgezogen bzw. es war nichts nachzuziehen, d.h. der Drehmomentschlüssel, eingestellt auf 70 Nm, löste direkt aus.

    Mehr Infos zum Knack-Geräusch:

    • Das Knacken tritt nicht auf, wenn im Stand gelenkt wird. Ich schlussfolgere daraus, dass das Problem nichts mit der Lenkung, d.h. auch nicht mit dem Lenkgetriebe, zu tun hat.
    • Das Knacken tritt auf bei einer Geschwindigkeit bei einem bestimmten Drehwinkel am Lenkrad. In meiner Tiefgarage bei langsamer Fahrt im ersten Gang knackt es, nach etwa einer Drehung am Lenkrad. Bei schnellerer Fahrt knackt es bereits bei deutlich weniger als einer Drehung am Lenkrad. Es scheint hier also um eine gewisse Kraft zu gehen, die erreicht werden muss, damit es knackt. Anders gesagt: Das Knacken ist also kein Problem, weil irgendetwas bei einem Bestimmten Einschlag des Lenkrads irgendwo anschlägt.
    • Das Knacken tritt erst erneut auf, wenn die Fahrtrichtung geändert wird. Fahre ich immer Kurven nach rechts, dann knackt es nur in der ersten Rechtskurve, aber es knackt nicht erneut bei einer weiteren Rechtskurve. Fahre ich dann immer Kurven nach links, dann knackt es nur in der ersten Linkskurve und nicht in jeder weiteren Linkskurve.
    • An den Federn zu den Querlenkern und den Aufnahme am Rahmen und zwischen Stabi und den vier Stabigummis habe ich Farbmarkierungen gesetzt und bin dann zunächst in einer Tiefgarage nur Rechtskurven gefahren und habe die Markierungen geprüft. Anschließend bin ich nur Linkskurven gefahren und habe die Markierungen geprüft. Ich konnte keine Lageänderung der genannten Teile feststellen.

    Beim Stabi kann ich jedoch nach längeren Fahrten feststellen, dass diese um wenige Millimeter axial in den Gummis am Querlenker wandert. Ich vermute, das ist jedoch normal.

    Der Wagen hat 310.000 km gelaufen und die Radlager sind nach meinem Kenntnisstand noch dir Original-Radlager. Ich bin kein Freund von Teileweitwurf und so lange ich nicht Verschleiß feststelle, der eine Austausch begründet, möchte ich nicht auf Verdacht Nabe und Radlager tauschen. Radlager und Achsstumme links und rechts sehen optisch identisch aus. Neu sehen die Teile natürlich nicht mehr aus.

    Vor Jahren habe ich das Radlagerspiel nachgestellt, weil das Spiel zu groß war. Dabei habe ich das äußere Lager abgenommen, neu gefettet eingesetzt. und das Lagerspiel eingestellt. Seitdem ich bin ich damit über 10.000 km gefahren.

    Im Anhang sind Fotos vom Achsstummel nach dem Abziehen der Nabe und nachdem ich das Fett abgewischt habe. Weiterhin ein Foto im ausgebauten Zustand ohne Klemmmutter. Das Fett der äußeren Lagerschale habe ich abgewischt. Es sind Laufspuren an der Lagerschale erkennbar, aber zumindest nach meiner Einschätzung ist das noch nicht kritisch. Weiterhin ist ein Foto von der Rückseite angehangen. Ohne den Dichtring zu entfernen kann ich dort natürlich nicht das Lager herausnehmen.

    Was ist eure Einschätzung?

    Viele Grüße und vielen Dank bereits
    Roland

  • Bist Du sicher, dass die unteren Federlenker richtig angezogen sind?

    Hatte das gleiche, bei langsamer Fahrt und großer Verschränkung, wenn ich um die Kurve gefahren bin.

    Hab beide untere Querlenker nachgezogen, seit dem ist Ruhe... Hatte die VA zwei mal zerlegt und nix gefunden. Das Problem aber nur an einem Auto.


    Gruß


    Jürgen

    250T Turbodiesel, Kl. Mopf 10/96 und 01/97

  • Moin,
    ich würde die Befestigungsaugen der oberen Querlenker kontrollieren. Es wäre möglich, dass sich eine Klemmung in der Bohrung im Radkasten bewegt / verschiebt. Ähnliches wäre auch an einem Lager der unteren Querlenker möglich, aber die Verschraubungen unten sind normalerweise schon sehr kräftig angezogen.

    Gruß

    Pendlerrad

  • Das Radlager kann nicht knacken, wenn es richtig eingestellt ist. Man sieht dass es gebraucht ist.. Aber so lange es keine Laufgeräusche macht, mit frischem Fett wieder zusammenstecken und weiter geht's.


    Gruß


    Jürgen

    250T Turbodiesel, Kl. Mopf 10/96 und 01/97

  • Habe die Dichtungen auf der Rückseite der Radnaben ausgebaut, die Kegelrollenlager herausgenommen und alles gereinigt. Auch hier zeigen die Lagerringe das gleiche Bild wie auf den Fotos im Eingangsbeitrag. Diese Dokument von FAG zeigt in Bild 78 einen ähnlichen Zustand und es wird dort als "Normal eingelaufene Bordberührspur bei einem Kegelrollenlager" bezeichnet. Ein Knacken hätte ich höchstens erwartet, wenn die Lagerschalen nicht mehr fest sitzen und stattdessen wandern. In beiden Naben sind die Lagerschalen an den gleichen Positionen und auf Anschlag in der Passung. Das scheint also auch nicht der Fall zu sein, wäre auch fraglich wie das gehen soll, wenn es korrekt eingestellt ist, wie Jürgen sagte.

    Die Radnaben und Lager werden nach Reinigung mit neuem Fett und neuen Dichtringen wieder eingebaut.

    Ich zieh dann als erstes die Mutter an der langen Schraube der oberen Querlenker nochmal nach. Laut WIS werden die mit 65 Nm angezogen, was ich für das dünne lange Schräubchen schon ganz schön viel finde. Die unteren Querlenker hatte ich damals auch nach WIS angezogen mit 120 Nm.

    Nebenbei: Interessante Abweichungen gibt es in der Literatur. "Jetzt helf ich mir selbst" von Dieter Korp gibt hier 55 Nm und 150 Nm an. Das Buch vom Bucheli-Verlag gibt 55 Nm und 150 Nm. Den Etzold hab ich gerade nicht zur Hand, der liegt im Auto.