• Guten Tag

    Ich bin auf der Suche nach Bodenbleche um mein Unterboden vom W202 neu zu machen da dieser schon durchgerostet ist und hinten beim Batteriefach. Meine Frage ist, welche Internetseite würdet ihr empfehlen wo ich Bleche kaufen

  • Moin,

    ich arbeite bei vielen Blecharbeiten mit selbst ausgeschnittenen Blechen aus einer großen Blechplatte 1mm stark. Die gibt es im örtlichen Stahlhandel, zum Transport ist aber ein Anhänger oder Sprinter vorteilhaft.
    Dängeln auf Sandsack, über Holzform, Biegungen über Rohr / Stahlflasche / Faß oder was sonst noch passende Bögen bietet.
    Wenn noch genug Reststabilität gegeben ist wird zur Anpassung über das alte Blech gedängelt bevor es weggeschnitten wird.
    Eine Auswahl von Treibhämmern unterschiedlicher Form und kleiner Ambosse aus einem Karosseriebearbeitungssatz ist hilfreich.

    Beim 202 wirst Du vermutlich auch Haltepunkte für die Kunststoffmuttern ersetzen müssen. Dieser sieht sandgestrahlt noch vergleichsweise gut aus, Rostpunkte auf der Innenseite verraten, wenn es hier schon kleine Löcher gibt und viel Halt ist von dem vernarbten Blech nicht mehr zu erwarten.
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    Eine Selbstbohrschraube mit abgetrenntem Bohrspitze und flachgeschliffenem Kopf auf neue Blechplatte geschweißt kann hier helfen
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    Der angegriffene Bereich wird dann vollständig herausgeschnitten und durch das Reparaturblech mit Gewindestift ersetzt.

    Aber bevor Du mit umfangreichen Arbeiten am leicht zugänglichen Unterboden beginnst solltest Du den Zustand einiger nicht so offensichtlicher Bereiche kennen.
    Wenn z. B. ein Teil der Aufnahmen des Hinterachsträgers am Fahrgestell wegrostet bringt ein fehlerfreier Unterboden dich nicht weiter.
    Zur Beurteilung hilft es, wenn der Hinterachsträger ausgebaut wird. Aus meiner Erfahrung mit der Renovierung eines 98er S202 kann ich sagen, dass auch der Ausbau des Tanks gleich zu Beginn sich gelohnt hätte, er kam später ohnehin raus.
    Wenn Hinterachse und Tank raus sind können z. B. auch die Bremsleitungen mit wenig Aufwand erneuert werden.

    Die Hinterachse wird von Streben am Hinterachsträger gebildet und dieser Träger hängt mit vier Gummi-Metall-Elementen an vier verstärkten Aufnahmepunkten der Karrosserie.
    Hier das Bild eines vorderen und eines hinteren Achsträgerlagerpunktes:
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    Zur Beurteilung der Aufnahmepunkte und zumindest grober Entrostung sollten die vier Schrauben der Gummi-Metallelemente an den Hinterachsträger- Aufnahmen zumindest gelöst und der Träger abgesenkt werden. Wirklich bearbeiten kann man den gesamten Bereich über der Hinterachse nur, wenn der Achsträger ausgebaut ist.

    Auch die Wagenheberaufnahmen müssen geprüft werden, meist sind hier Schweißarbeiten erforderlich.
    Ab Modelljahr 97 ist auch die Abschleppöse hinten konstruktiv schlecht gemacht. Wasser sammelt sich auf der Öse und der Unterboden rostet zwischen den Teilen weg. Ich habe eine Anhängerkupplung, deshalb die Öse komplett entfernt und den betroffenen Bereich mit glattem Blech ersetzt.

    Ohne ein durchgängiges Konzept für die Säuberung vor und nach Schweißarbeiten, Grundierung, Lackaufbau und ggf. Nachschutz, Hohlraumkonservierung lohnt die Arbeit aus meiner Sicht nicht.
    Pfusch im Sinne einer "zeitwertgerecjhten Reparaturmethode" sichert eine HU-Periode und danach geht es wieder los....

    Hier meine Erfahrungen dazu:

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    Gruß

    Pendlerrad

    Edited 10 times, last by Pendlerrad (July 16, 2026 at 8:31 PM).

  • Fertige Reparaturbleche fur den Bodenbereich, Batterieblech, Abschleppöse gibt es nur vereinzelt, wenn mal ein Altbestand aufgetan wird, bei den einschlägigen Plattformen. Eventuell findet man gut erhaltene Blechpartien in Unfall- und Schlachkarosserien.

    Will man Reparaturbleche selbst formen, sollte man sich auch selbst den Gefallen tun und kein gewöhnliches Schwarzblech, oder Zinkblech zu verwenden, sondern wirklich zu Tiefziehblech zu greifen. Das lässt sich deutlich besser und leichter verformen. Gibt es in unterschiedlichen Qualitätsstufen von DC1, bis DC4.

    Am günstigsten beschaft man sich aber Bleche aus Schlachkarosserien. Motorhauben, Türen, oder ganze Dachhäute gibt es beim Schrott für Umme.

    Aber die allerwichtigste Frage bleibt immer.. Lohnt das überhaupt, oder wäre nicht der Kauf eines besseren Fahrzeugs, die bessere Option.

    Man muss sich immer bewußt sein... Das was man Anfangs sieht, sind meist nur 10 bis 20% vom Umfang, der einen erwartet, wenn man eine Karosse wirklich nachhaltig und umfassend instand setzen will.

    Das ganze Ausmaß zeigt sich erst wenn wirklich alles demontiert die Roststellen großzügig freigelegt und rausgetrennt sind... 😱.

    Da ist man dann oft ganz schnell an dem Punkt, wo man eigentlich nie hin wollte.


    Gruß


    Jürgen

    250T Turbodiesel, Kl. Mopf 10/96 und 01/97

  • Grundierung braucht feuchtigkeitsdichten Überzug, dazu gibt es aus meiner Sicht nur Lack oder Pulverbeschichtung.
    Puverbeschichtung ist sehr spröde, das Abplatzen ist bei erforderlichen Verschraubungen problematisch.

    Wachs wird meist nicht heiß aufgetragen sondern enthält Lösungsmittel als Verflüssiger / Weichmacher.

    Bei Schrumpfung treten feine Risse auf, die Schicht ist schon dadurch nicht dicht. Bei mechanischer Belastung lässt sich Wachs leicht durchdringen. Ist aus meiner Sicht als zusätzlicher Schutz auf Bremsleitungen oder Schrauben geeignet, aber nicht als Lackersatz.

    Gruß

    Pendlerrad

  • ist alles "relativ". Zweimaliger Anstrich mit "nitrofest gilt als wetterbeständig.

    Aus meiner Sicht heisst das, mit dem Überlackieren kann man dann etwas länger warten. Im Straßenverkehr mit Spritzwasser, Schmutz und Steinchen hält das aber dann nur ein paar Wochen, vielleicht auch Monate.

    Mir reicht so etwas nicht, ich hätte nach Bearbeitung gern 10 Jahre Ruhe. Dafür braucht auch der Decklack eine verlässliche Schichtdicke.

    Typische Vergleiche lassen sich an alten Autos anstellen:
    Ein weißer Sprinter rostet recht früh, weiß ist schon bei geringer Schichtdicke zunächst makellos.
    Ein VW T4 der Sonderserie "Topstar" ist wegen der damals verwendeten Sonderlackierung mit Perleffekt dagegen nach Jahrzehnten oft noch sehr ansehnlich. Die Farbe musste dick sein um die gewünschte Öptik zu erreichen-

  • Sorry, Du vergleichst da völlig unzerschiedliche Lacksysteme. Ein Uni-Einkomponentenlack, wie auf nem Sprinter und der Mehrschichtmetalliklack sind zwei Paar Stiefel.

    Der Rost entsteckt auch nicht auf der Lackfläche, sondern an Kanten und Beschädigungen. Dazu kommt noch, dass die Verarbeitungsqualität eines Luxusbusses und die einer reinen Nutztiers, wie die eines Sprinters, nicht zu vergleichen ist.

    Nicht die Stärke des Farbauftrages ist für seine Korrosionsschutzeigenschaften von Belang, sondern wie der Farbauftrag strapaziert wird.

    Eine dünne, satt deckende Lackschicht hat oft bessere Korrosionsschutzeigenschaften, als eine Dickschichtlackierung, weil sie die Bewegungen des Blechs besser mitmachen kann. Dagegen ist halt eine Dicke Schicht, oft Schlag- und Abriebfester.

    Wo es am PKW auf Abriebfestigkeit ankommst (Spritzbereich der Räder) sollte man eh mit Steinschlagschutz arbeiten. Der ist für die entsprechende Beanspruchung ausgelegt und geeignet.

    Korrosionsschutz ist ein heißes und vielschichtiges Thema.

    Aber nicht die Farbe selbst, ist das entscheidende, sondern die möglichst gründliche Vorarbeit.

    Auch sollte man sich beim Lackaufbau möglich, von der Grundierung, bis zum Decklack auf einen Hersteller beschränken. Das kann viel Ärger vermeiden...

    Auch Produktangaben von Herstellern, selbst nahmhaften, sollte man nicht immer für bare Münze nehmen...

    Habe z. B. inzwischen leider schon mehrfach die Erfahrung machen dürfen, dass das Haftungsvermögen von Lechner-Lacken, obwohl es der Hersteller ausdrücklich in seiner Produktbeschreibung bewirbt, mir sogar mehrere Lackierer Lechner-Lack für den Zweck sogar empfohlen haben. Ich habe leider die Erfahrung machen dürfen, dass leere Versprechungen sind und man die Zeitersparniss bei der Verarbeitung, bei einer späteren Reparatur teuer bezahlt.


    Gruß


    Jürgen

    250T Turbodiesel, Kl. Mopf 10/96 und 01/97

  • Wo es am PKW auf Abriebfestigkeit ankommst (Spritzbereich der Räder) sollte man eh mit Steinschlagschutz arbeiten.

    Interessant. :monocle:

    Also auch, wenn man unverrostete Radhäuser konservieren möchte, in denen der Unterbodenschutz noch intakt ist?

    Was tun, wenn man Risse im Unterbodenschutz hat - statt Steinschlagschutz Fette wie Fluidfilm oder Seilfett...?

  • ob die Schutzfunktion noch "intakt" ist eine wichtige Frage, aber oft nicht leicht zu beantworten.

    Nach meiner Erfahrung hilft die Suche nach Stellen mit ungewöhnlichem Anschein und dann mechanische Prüfung mit Dreikantschaber oder Schraubendreher. Wenn es Unterrostungen gibt lässt sich die Beschichtung mit entsprechender Gewalt abschiegen und es zeugt sich, was drunter verborgen ist. Selbstverständlich schafft man sich durch solche Kontrollen auch Nacharbeit an eigentlich intakten Flächen, aber Überzug auf bereits unterrosteten Flächen ist immer problematisch.

    Auch erhitztes Liquid AR oder NAS ist nicht in der Lage, in noch weitgehend abgeschlossene Bereiche vorzudringen um dort Rost zu stoppen. Das recht dünnflüssige Liquid A muss jährlich erneuert werden und die nicht trocknenden Produkte auf Lanolinbasis müssen vor ggf. erforderlicher Lackierung abgewaschen werden, machen dann also zusätzliche Arbeit.

    Die Lebenszeit eines (aus meiner Sicht ungeeigneten) Bitumen-Unterbodenschutzes, der durch Schrumpfung Risse bekommen hat lässt sich mit den Produkten aber er verlängern. Das Lanolin weicht das Bitumen an und verschließt Risse. So kann man dann ggf. einige Jahre auf die Sauerei mit dem Abkratzen des Bitumens verzichten bzw. die Notwendigkeit verzögern. (Hab ich an einem alten T3 über Jahre gemacht).

    Nachdem die hinteren Radkästen meines S202 sauber neu aufgebaut wurden brachte der abschließende (überlackierbare) Steinschlagschutz einen sehr deutlichen Schallschutz. Das Geräusch spritzenden Wasser bei Regenfahrt ist weitgehend verschwunden.