Luft im Kraftstoffsystem obwohl ALLES neu ist.

  • Mein C270cdi bringt mich und die Werkstatt mittlerweile absolut zum verzweifeln. Er zieht irgendwo hinter dem Filter Richtung Motor Luft (oder sie versteckt sich irgendwo), zumindest kann man manchmal dabei zusehen dass die Blasen bis zum Filter aufsteigen und die Leitung komplett leer läuft. Wenn er länger als 6 h steht geht er einmal kurz durch den Kraftstoffrest im Rail an und wieder aus. Dann geht das große orgeln los…

    Mittlerweile sind alle Injektoren, das Druckregelventil, die HD Pumpe, ALLE Kraftstoffleitungen, die beiden Tankgeber sowie der Filter getauscht wurden.

    Es ist auch alles trocken, man kann kein Schwitzen feststellen.

    Ich und auch die Werkstatt sind am Ende der Vorstellungskraft angekommen.


    Über eine Lösung wäre ich unendlich dankbar!!!


    Grüße

    Nico

  • Moin,,

    Du hast Antworten bei Motortalk, auch von mir.

    Stichworte:

    OM 612, keine elektrische Kraftstoffpumpe, Vorförderpumpe vorn am Zylinderkopf. Niederdrucksystem zieht Luft.
    Weil mir dieses Forum weitaus besser gefällt hier eine Kopie:


    Dein 27 CDI hat vermutlich den OM612. Bei OM611, ..12..13 gibt es wie bei älteren Mercedes-Dieseln nur die mechanisch angetriebene Vorförderpumpe vorn am Zylinderkopf.
    Der Kraftstoff wird aus dem Tank bis zur Vorförderpumpe über alle Bauteile hinweg mit Unterdruck angesaugt.

    Schon bei kleinen Lecks kommt Luft in das Nierdrucksystem und der Kraftstoff läuft zum Tank zurück. Kraftstoff tritt meist nicht aus, daher bleibt das Leck unsichbar.


    Die Kraftstoffleitungen, Filter liegen höher als der Tank.
    Es war daher unsinnig, die Geber im Kraftstofftank zu tauschen. Auch (teure) Auswechslung von Teilen des Hochdruckzweiges ist bei Blasen in den Niederdruckleitungen kaum sinnvoll.


    Wenn (wirklich alle?) Leitungen schon getauscht wurden kann dabei auch ein Fehler passiert sein.

    Die O-Ringe zur Abdichtung gibt es als Einzelteil, Teilenr. A601 997 06 45 (6019970645), FeBi 38770, die noch einmal zu tauschen ist nicht teuer. Wenn es noch die ersten Dichtungen waren hatest Du möglicherweise schon länger Startprobleme z. B. bei über längere Zeit hochstehender Schnauze und / oder kalten Temperaturen.

    Auch der Verschlussdeckel des Kraftstofffilters oder der Behälter selbst kann undicht sein, ein feiner Riss genügt.


    Der Übergang vom flexiblen Schlauch an der Kraftstoffleitung zum Stutzen am Kraftstoff-Wärmetauscher auf der Ladeluftverteilung ist auch eine Fehlermöglichkeit. Der Schlauch kann durch Alterung vom Ende her einreißen und wenn der Riss bis unter die Schelle reicht wird es hier undicht.


    VOR den Arbeiten an den Leitungen den Arbeitsbereich gründlich säubern.
    Gern mit warmem Spüliwasser und Pinsel säubern, mit Druckluft abblasen und mit sauberen Lappen abdecken.

    Eine saubere Aufbewahrungsmöglichkeit für die abgebauten Teile bereitstellen.

    Ganz sauberes Werkzeug auf einer ebenfalls mit Lappen abgedeckten Fläche bereitlegen

    Dreck im Kraftstoffsystem ist der Tod für ein Common-Rail System. Jedes Sandkorn, dass durch die engen Passungen der Teile gedrückt wird hinterlässt Kratzer.


    Bei tiefen Temperaturen sollte man einen warmen oder mindestens geschützten Ort mit Stromanschluss wählen und die Kunstoffleitungen und Stopfen mit einem Haarfön vorsichtig erwärmen, handwarm genügt. Die Kunststoffteile sind bei Kälte besonders spröde.

    Bilder eines Steckanschlusses und Rücklaufanschluss Rail:

    Kraftstoffltg (1).jpg Kraftstoffltg (2).jpg SteckanschlussRücklaufRail.jpg

    Der weiße, u-förmige Riegel hat keilförmige Enden und ist im montierten Zustand ganz zurückgezogen, sitzt locker. Wenn er eingeschoben wird spreizt er die Verriegelungsbügel. Wenn man dann mit dem Fingen noch etwas Druck auf den schwarzen Bogen bringt geht die Verriegelung noch etwas weiter auf und mit etwas Drehung, hin und her lässt sich dier Stopfen abziehen. Auf dem Bild erkennt man einen Bruch des schwarzen Bügels, das passiert schnell, ist aber nicht wichtig. Nach dem Öffnen soll der weiße Riegel nicht eingeschoben bleiben, die Kunststoffnasen sollen sich sofort wieder entspannen.

    Beim Herausholen der alten Ringe den Kunststoff nicht verkratzen.

    Neue O-Ringe vor der Montage mit etwas Vaseline einstreichen


    Eine gute Möglichkeit zur Fehlereingrenzung bietet ein Aufbau mit Fallkraftstoff.

    Vor dem Kraftstofffilter (Tankseite) kannst Du gefahrlos einen Behälter mit sauberem Diesel anschließen und über dem Motor an die senkrecht gestellte Haube hängen. Die Schwerkraft hilft, mit dem "Fallkraftstoff" fällt das Entlüften leichter.

    Wenn Du für den Anschluss die vom Tank kommende Vorlaufleitung abmachst und an dieser Stelle mit einem Schlauch z. B. einen alten Moped- oder Rasenmähertank anschließt hast Du alle folgenden Komponenten mit drin. Den gefüllten Tank mit langem Schlauch hoch an der senkrecht gestellten Motorhaube oder der Werkstattdecke aufhängen. Der leichte Überdruck des Fallkraftstoffs lässt in Stehzeiten sogar an kleinen Rissen Kraftstoff austreten. Alles gut sauber machen und etwas Mehl aufstäuben, das zeigt Flüssigkeit an.

    Den flexiblen Schlauch am Übergang der festen Leitung vom Tank kannst Du bei der Gelegenheit auch anschauen, wie bereits geschrieben reißt der gern vom Ende her ein und wenn der Riss bis unter die Schelle reicht zieht es hier Luft hinein.

    Gruß

    Pendlerrad