Politik-Diskussionsthread

  • Was verspricht man sich von Rentenbeiträgen von Beamten?

    Dann müsste der Beamte ein wesentlich höheres Brutto bekommen wovon er dann in die Rentenkasse einzahlt. Für mich beißt sich da die Katze in den Schwanz, da spart man keinen Cent durch....

    So ist das Brutto klein(er), der Dienstherr legt Kohle zurück in was auch immer (Immobilien, Fonds, Koks, Nutten oder was auch immer) und zahlt dem Beamten dann nachher die Pension.

  • Der Kern des österreicheschen Modells liegt sicher nicht darin, alles faktisch gleich zu lassen und Beamte bekommen exakt das gleiche wie heute, mit den gleichen Berechnungsgrundlagen, nur aus einem anderen Topf. Der Kern ist hier beschrieben:

    ""Die Grundüberlegung dieses Gesetzes war, dass für alle Berufsgruppen jeder Beitrags-Euro gleich viel wert sein soll", erklärt Wolfgang Panhölzl von der Arbeiterkammer Wien gegenüber der ARD. "Niemand solle mit seinen Beiträgen eine bessere oder eine schlechtere Pension erhalten, egal ob man selbstständig, unselbstständig, Beamter oder Politiker ist." Jeder solle einzahlen und für seine Beiträge auch die gleiche Leistung bekommen, so Panhölzl."

    Auch der Ansatz, nicht mehr das letzte Gehalt als Grundlage zu nehmen, sondern folgendem zu folgen:

    "Es sah ein einheitliches Pensionsrecht für alle Erwerbstätigen vor. Danach stand jedem nach 45 Jahren eine Pension in der Höhe von 80 Prozent des Lebensdurchschnittseinkommens zu.", wäre natürlich eine Änderung.

    Und ja, in der Praxis hat diese Gleichstellung die Beamten in Österreich sicher im Vergleich zu anderen Pensionären in Österreich im Mittel Geld gekostet. Ist schon "hart", wenn man auf einmal nach der Lebensarbeitsleistung und nicht mehr nach dem letzten Gehalt seine Pension bekommt ... halt so wie jeder Rentner in D.

    P.S.: Bei einer reinen Erweiterung des Leistungskreises, wie z.B. bei Selbstständigen, sehe ich auch kein wirkliches Potential. Denn die leisten nicht nur, sie wollen anschließend auch beziehen und das wird eher ein Negativgeschäft, denn ein Positivgeschäft für die Rentenkasse.

  • Dass man jetzt wieder angesichts der katastrophalen Haushaltslage die Beamtenpensionen ins Spiel bringt, ist einerseits Populismus um eine Bevölkerungsgruppe gegen eine andere auszuspielen, lenkt aber auch von den wahren Ursachen der Finanzmisere ab.

    Klar, könnte man alle Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung aufnehmen.

    Aber wie "Dem-Anton-sein-Benz" bereits ausführte, müsste man dann die Bruttogehälter erheblich anheben, da die Gehälter im öffentlichen Dienst etwa 20-30 % unter vergleichbaren Positionen in der freien Wirtschaft liegen.

    Der Einspar-Effekt wäre gleich null.

    Dazu kommt noch ein Aspekt, den hier scheinbar niemand bedenkt:

    Führt man alle Beamten in die Rentenversicherung, so müsste man sie ja auch in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung aufnehmen.

    Dann würden abertausende Beamte, die in ihrer Tätigkeit erheblichen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt sind (Feuerwehr, Zoll, Polizei, usw...) aus der privaten Krankenversicherung in die gesetzlichen Kassen wechseln.

    Erhebliche Beitragssprünge wären die logische Folge. Und das große Jammern über diese Kosten wäre wieder da.

  • Aber wie "Dem-Anton-sein-Benz" bereits ausführte, müsste man dann die Bruttogehälter erheblich anheben, da die Gehälter im öffentlichen Dienst etwa 20-30 % unter vergleichbaren Positionen in der freien Wirtschaft liegen.

    Warum "muss" man das?

    Einfach nochmal den Blick nach Österreich richten und hinterfragen, warum das Land trotzdem noch funktioniert.

    Ich sehe die Gefahr nicht gegeben, dass man Beamtenjobs nicht mehr besetzt bekommt. Die sind im Vergleich zum Rest im Land hochgradig attraktiv.

    Und die Beamten in die sonstigen Sozialversicherungen zu integrieren, wäre zwar ein logischer Schritt, aber kein Muss. Die "erheblichen gesundheitlichen Gefahren" im Vergleich kann ich auch nicht erkennen. Beamte werden im Schnitt deutlich älter als sonstige Arbeitnehmer ... wie passt das zusammen, mit "erheblichen gesundheitlichen Gefahren"?

    Dass man sich mit Händen, Füßen und allem was man sonst noch so hat dagegen wehrt, wenn man als Beamter davon profitiert, ist zu 100% nachvollziehbar, aber eben kein gutes Argument. Dabei sei gesagt, nochmal den Blick nach Österreich zu richten. Da wurde auch niemand was weggenommen, es wurde nur nicht fröhlich weiter verteilt, was man sich nicht mehr leisten kann.

    P.S.: Dieses Land wurde die letzten Jahre wirtschaftlich massiv kaputt gemacht, auch von Beamten. Es werden ALLE den Gürtel künftig enger schnallen müssen. Links-Grüne Politik wirkt. Und das gesellschaftliche Hauen und Stechen hat grade erst begonnen.

  • Dann würden abertausende Beamte, die in ihrer Tätigkeit erheblichen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt sind (Feuerwehr, Zoll, Polizei, usw...) aus der privaten Krankenversicherung in die gesetzlichen Kassen wechseln.

    Erhebliche Beitragssprünge wären die logische Folge. Und das große Jammern über diese Kosten wäre wieder da.

    Wobei bei Arbeitsunfällen ja ohnehin die GUV einspringt. Also wenn sich jemand bei der Arbeit verletzt, dann zahlt die gesetzliche Unfallversicherung, und nicht die Krankenkasse. ;)

    Es gibt so'n paar Punkte, die ich nicht so recht nachvollziehen kann. Wenn ein Arbeitnehmer auf dem Weg zur Arbeit zum Beispiel mit dem Fahrrad stürzt, und sich einen Arm bricht, dann gilt das als Wegeunfall und die GUV zahlt die Behandlung. Macht er sich bei dem Sturz außerdem seine Jacke kaputt, darf er selbst für eine neue blechen. Außer, er ist Beamter, dann bekommt er auch die kaputten Klamotten ersetzt. Da frage ich mich schon, ob das sein muss...

    Man kann natürlich die grundsätzliche Frage stellen, ob man ein Beamtentum wirklich braucht. Sinn und Zweck des ganzen ist ja, bestimmte systemrelevante Bereiche unempfindlicher gegen Korruption und radikale Einflüsse zu machen. Das macht meiner Meinung nach durchaus Sinn, allerdings auch nicht in jedem Bereich.

  • Beamte werden im Schnitt deutlich älter als sonstige Arbeitnehmer ... wie passt das zusammen, mit "erheblichen gesundheitlichen Gefahren"?

    Sorry, aber scheinbar referieren hier Blinde über die Farben des Regenbogens.

    Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Männern in Deutschland liegt bei etwa 78,9 Jahren.

    Stichwort - "erhebliche gesundheitliche Gefahren":

    Bei Polizeibeamten 77 Jahre - Tendenz sinkend

    Bei Feuerwehrleuten 65 Jahre.

    Soviel zu der o.a. Aussage.... :(

  • Warum "muss" man das?

    Beamten kann man "nicht einfach so" ihre Bezüge kürzen. Die Beamten wurden vereidigt, das ist - natürlich in vielen Fällen mit Absicht - ein anderes Vertrauensverhältnis als ein Arbeitsvertrag. Dort kann einseitig außer bei groben Vergehen nichts gekürzt werden. Ich glaube kaum, das Politiker und Richter sich selbst das Stuhlbein absägen werden.

    Und irgendwie muss der Staat seine Posten auch besetzt bekommen, bevor zu viel in die Privatwirtschaft abwandert. Da hat der Staat mit Beamtentum dann durchaus Anreize. Was in der Regel nie klappt ist:

    IT Bereich. Ich suche absolute Spezialisten, Master, mit Berufserfahrung für Cybersecurity. Zahle TV-L 9. Für 3.700€ Netto tritt man da natürlich die Bude ein.

    Ist wieder das alte Schema wenn es mehr gibt: anderer Topf, muss ich net zahlen, hab ich mehr.

    Situation in Österreich: Beamte haben dort vorher auch schon eingezahlt. Allerdings weniger als die restlichen Arbeitnehmer. Darum wurde das dann angeglichen, damit jeder Euro der eingezahlt wird, dem gleichen Outcome entspricht. Und in Österreich liegt das Rentenniveau DEUTLICH über unseren Zahlungen. Egal wer. Ich glaube kaum, dass wir ein Niveau von 80% jemals erreichen werden, da man mit egal wie vielen Beiträgen es entweder zum Fenster rauswirft oder Fehlinvestiert.

    Problematisch wäre die Nachversicherung. Um es mal ganz grob mit der KI zu machen.

    Bei 30 Dienstjahren und im Schnitt Brutto 60.000€ ist der Nachversicherungsbetrag für Sozialkassen bei 334.800€. Nehmen wir das mal für die aktuell aktiven ca. 1,76 Millionen Beamten an sind wir bei 589 Mrd. €. Blöderweise müssen Nachversicherungsbeträge einmalig und vollständig entrichtet werden. Dazu bedürfte es gesetzlicher Änderungen. Oder es muss Schrittweise Häppchen für Häppchen realisiert werden. Oder braucht Übergangsregelungen. So einfahc bekommt man ein gewachsenes System nicht weg. Info: Bundeshaushalt 2026 wird mit 520 Mrd. kalkuliert.

    Natürlich wird gegeneinander ausgespielt. Andererseits muss sich auch jeder der Futterneid hat in egal welche Richtung fragen: warum bist du nicht in die freie Wirtschaft? Warum bist du nicht ins Beamtentum? Jeder hätte irgendwie die Chance gehabt.

    Man muss sich auch fragen, was noch finanzierbar ist. Wofür gibt man noch aus? Muss man Solarparks und Radwege im Ausland fördern? Letzten Endes ist vieles auch Luxus. Schön mag ja manches sein...überbordende Verwaltung wäre ein abbaubarer Punkt. Zig Ämter, Antragsverfahren... hier im Ort gingen mittlere 5 stellige Beträge raus um für 10 Bauplätze Gutachten zu erstellen, ob man nicht doch irgendwelche Tiere gefährdet. Zack, hast 3 Fledermäuse die da Kreuzen, nicht genemigt. Also sind auch sämtliche Feststellungsverfahren und Erschließungsplanungen für die Katz gewesen und du musst noch ein Jahr für solche Überprüfungen warten. 6 stellig rausgehauen, Null nutzen.

    Grüßle!

    Johannes

    Fuhrpark:

    Display Spoiler

    Opas Ehemaliger (jetzt Sommerfahrzeug): 94er C180: Imperialrot, Stoff schwarz, Elegance, 1. Hand, 70.000km.

    2003er A209 CLK320 Brillantsilber, Leder Anthrazit, Avantgarde, 198.000km.

    2005er S211 E500T Brillantsilber, Leder Anthrazit, Elegance, 234.000km.

    Omas 280SE: 78er 280SE: Cayenneorange, Stoff Bambus, 2. Hand seit 1980, 188.400km.

    Ehemalige:

    2002er S210 E430T 4matic: Brillantsilber, Leder Anthrazit, Avantgarde, 391.000km.

  • Moment.

    Du redest nur von männlichen Polizeibeamten und von Feuerwehrleuten allgemein (nicht unbedingt verbeamtet).

    Ich rede die ganze Zeit ganz allgemein über die Beamten, die bei weitem nicht nur aus deiner Scheuklappensicht aus Polizei und Feuerwehr bestehen. Nimmt man alle Beamten zusammen, so liegt die Lebenserwartung ca. 4 Jahre über dem Mittel. Im Mittel haben Beamte also geringere gesundheitliche Gefahren, auch wenn das auf gewisse Minderheitsgruppen unter den Beamten, sicher nicht zutrifft.

    Beamten kann man "nicht einfach so" ihre Bezüge kürzen.

    Das ist schon klar und auch Österreich hat das doch gar nicht so gemacht. Das verlangt auch niemand. Meiner Meinung nach, sollten hier aber entsprechende Weichen für die Zukunft gestellt werden. Und die lauten vor allem weniger Verbeamtungen (mehr Angestellte) und eine Integration der künftigen Beamten (ich will das Beamtentum nicht vollständig abschaffen), in die allgemeinen Sozialsysteme. Halt Österreich als Vorbild. Und ja, da war/ist es auch ein jahrzehntelanger Prozess. Aber wenn man nicht irgendwann anfängt, wird man sicher nicht fertig.

    Es geht um Regeln für die Zukunft, nichts anderes und dann kann man sich immer noch fragen, ob man in den öffentlichen Dienst will (nicht verbeamtet) bzw. verbeamtet dort hin will, aber eben zu den Regeln wie auch Angestellte sie haben.

  • Klar, könnte man alle Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung aufnehmen.

    Aber wie "Dem-Anton-sein-Benz" bereits ausführte, müsste man dann die Bruttogehälter erheblich anheben, da die Gehälter im öffentlichen Dienst etwa 20-30 % unter vergleichbaren Positionen in der freien Wirtschaft liegen.


    Muss man gar nicht. Bei uns sind sogar Leute zu nem Landeseigenen Ding abgewandert aus der freien Wirtschaft, weil die eben mehr zahlen, Kinderbonus und noch viele weitere Dinge (günstigere Finanzierungen etc.). Ich sehe da null Grund, sollen sie es mal in der freien Wirtschaft versuchen. Viele die in der freien Wirtschaft waren und nun Beamte sind können sicherlich ne handvoll Kolleg/innen aufzählen die dort nie überleben würden. Wie war das noch mal mit der 12 Jahre lang kranken Lehrerin die ne Nebentätigkeit noch zusätzlich in der Zeit ausgeübt hat? Würde in der freien Wirtschaft nie vorkommen. Das die Staatsdiener auf nem sehr hohen Ross unterwegs sind und in ihrer Eigenwarnehmung etwas wohl die Scheuklappen aufhaben...

    Es geht um fließende Übergänge, um ne Neuregelung für die neuen, nen Mischmodell für die mittelalten und die alten gehen noch wie gewohnt in den Ruhestand. Hat ja Österreich vorgemacht und warum soll eine Pension so weit über der durchschnittlichen Rente liegen prozentual als von denen die die Musik bezahlen? Ist doch Obskurr, als ob man seinem Hänker noch Trinkgeld gibt.


    Einige wichtige Bereiche gehören davon ausgenommen, wie zum Beispiel eben auch die Feuerwehr, etc.

    Bei Lehrern wäre es möglicherweise eher nen Anreiz wenn die Klassengrößen wieder sinken würden und sich die Zahl der Schüler pro Lehrer wieder verringert und zusätzliche Unterstützung für die Problemfälle vorhanden ist.
    Guckt euch mal an was nen Lehrer in den USA verdient im Vergleich zum UPS Boten. Nicht das das Land ein gutes Beispiel wäre, ist aber amüsant.

    Aber neben der Rente / Pension haben wir eben genug Baustellen die endlich mal angegangen werden sollten, sei es in den Sozialsystemen, ärztliche Versorgung, Bildung. Infrastruktur, Digitalisierung und noch viel mehr.

    Edited once, last by Azuritgrau (September 8, 2025 at 3:01 PM).